Interferon-beta bei Gürtelrose als Hemmstoff der Virus-Synthese

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Lautet die Diagnose des Arztes „generalisierte Gürtelrose“ ist Interferon-beta der Wirkstoff, welcher der Replikation der Viren entgegentritt. Als Nachteil der Medikation ergeben sich grippeähnliche Nebenwirkungen.

Nerv

Interferone – ein wirksamer Hemmstoff der Virus-Synthese

Interferone bilden als Hemmstoff der Virus-Synthese einen Bestandteil des humanen (menschlichen) Immunsystems. Im Serum (wässriger Bestandteil des Blutes) des gesunden Menschen befinden Sie sich regulär nicht. Nachzuweisen sind die produzierten Interferone erst im Verlauf einer Infektion mit einer der zahlreichen Viren-Arten, wie beispielsweise dem Herpes-Zoster-Virus. Für deren Produktion zeigen sich

  • Makrophagen (große Phagozyten / Fresszellen),
  • natürliche Killerzellen (NK),
  • Lymphozyten (weiße Blutkörperchen)
  • sowie infizierte Endothelzellen und
  • Fibroblasten

zuständig. Fachleute unterteilen die Interferone in drei Gruppen:

  • IFN-α,
  • IFN-β sowie
  • IFN-γ.

Die genannten Interferone präsentieren sich antiviral ausgeprägt aktiv, sodass sie gegen zahlreiche diverse Viren ihre Wirksamkeit entfalten. Zudem wirken sie immunmodulatorisch und antiproliferativ (wachstumshemmend).

 

Interferon-beta – Definition, Entstehungsorte und Wirkweise

Als Interferon-beta bezeichnen Wissenschaftler ein Glykoprotein mit 166 der Familie der Interferone angehörenden Aminosäuren. Das mit IFN-β abgekürzte säurestabile Interferon des Typs I entsteht vorwiegend in den als Fibroblasten bezeichneten virusinfizierten Bindegewebs-Zellen. Des Weiteren stellen Makrophagen sowie Monozyten das Beta-Interferon in geringen Mengen her.

Interferon-beta bindet sich auf der Zell-Oberfläche an die gleichen Rezeptoren (IFNAR) wie das ihm verwandte Alpha-Interferon. Die Wirkweise ist ebenfalls ähnlich. Tritt der Herpes-Zoster-Virus (oder andere Viren) in die Zelle ein, verhindert das Beta-Interferon die Virus-Replikation in der Wirtszelle.

Experten unterscheiden zwei in der Herstellung unterschiedliche Interferon-beta-Typen:

  • Interferon-beta-1a und
  • Interferon-beta-1b.

Zur Herstellung von Interferon-beta-1a verwenden die Arzneimittel-Konzerne Säugetier-Zellen (CHO-Zellen). Zur Produktion von Interferon-beta-1b dienen genetisch modifizierte Escherichia-coli-Bakterien (Koli-Kakterien).

Folgende Interferon-beta-Präparate sind neben Fiblaferon® (IFN-β-human) im Handel vertreten:

  • Interferon-beta-1a
    – Avonex,
    – Rebif,
    – Blastoferon.
  • Interferon-beta-1b
    – Betaferon,
    – Betaseron,
    – Extavia,
    – Uribeta.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig.

 

Dosis und Verabreichung von Interferon-beta bei der Gürtelrose

Aufgrund der überwiegend antiviralen Wirkung des Beta-Interferons verabreichen Ärzte bei einer generalisierten Gürtelrose das Interferon-beta durch parenterale Applikation. Der Patient oder der Mediziner injiziert das in Form fertiger Lösung oder als Lyophilisat vorliegende Beta-Interferon unmittelbar in den Muskel (intramuskulär). Alternativ erfolgt die Verabreichung subkutan, das heißt, der Anwender spritzt das Interferon-beta in das unter der Haut liegende Fettgewebe.

Liegt ein Herpes Zoster oder eine andere akute Virus-Erkrankung vor, kommt eine Dosis von 0,5 Millionen I.E. Beta-Interferon je Kilogramm Körpergewicht und Tag in Betracht. Die topische (äußerliche) Anwendung mittels Salben zeigte bei Infektionen mit dem Herpes-Zoster-Virus nur eine eingeschränkte Wirksamkeit.

 

Nebenwirkungen – unangenehm aber reversibel

Wie bei allen Therapien mit Interferonen treten nach Injektion von Interferon-beta bei einer Gürtelrose in schwerer Form Nebenwirkungen auf. Diese hängen nicht vom Interferon-Subtyp ab. Entscheidend ist die Dosis. Die die Therapie begleitenden Erscheinungen zeigen sich reversibel und äußern sich ähnlich wie bei einer Grippe mit

  • Fieber,
  • Kopfschmerzen,
  • Übelkeit,
  • Schwäche sowie

Letztgenannte bezeichnet eine krankhafte Verminderung der Leukozyten (weißen Blutkörperchen). Diese sinken auf einen Wert von unter 4.000 pro mm3.

Besteht die Therapie länger fort oder benötigt der Patient hohe Dosen des Interferon-beta, um seine Gürtelrose in den Griff zu bekommen, sind reversible psycho-neurologische Veränderungen nicht auszuschließen. Bemerkbar machen sie sich durch:

  • Stimmungs-Labilität,
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie),
  • Müdigkeit und
  • Depressionen sowie
  • Abnormalitäten im Elektro-Enzephalogramm.

Während des EEGs zeichnet das Gerät den Verlauf der Hirnaktions-Ströme auf.

 

Interferon-beta als Wirkstoff bei generalisiertem Herpes Zoster

Der generalisierte Herpes Zoster bedroht durch den Befall des ganzen Körpers einschließlich der inneren Organe das Leben des Betroffenen. Interferon-beta bei Gürtelrose verhindert die Replikation des Herpes-Zoster-Virus in den Wirtszellen und verbessert dadurch den Verlauf der Krankheit. Die Applikation des Interferons erfolgt mittels einer subkutanen oder intramuskulären Injektion.

weitere Information zum Tehma:

http://quizlet.com/5945120/k1-klausur-charite-ss11-virustatika-flash-cards/

http://www.chemgapedia.de/vsengine/vlu/vsc/de/ch/16/im/cytokine/interferone/interferone.vlu/Page/vsc/de/ch/16/im/cytokine/interferone/interferone_beta.vscml.html

 

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== Fachautor dieses Artikels ==

Anna Nilsson, Medizinautorin

Anna Nilsson ist als Medizinautorin seit 2005 Autorin für die Inhalte in unserem Magazin verantwortlich. Ihre Artikel entsprechen dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur und medizinischen Leitlinien.


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