Hyperimmunglobulin gegen Varizellen-Zoster-Viren

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Hyperimmunglobuline kommen bei schweren Verläufen des Herpes Zoster zum Einsatz sowie im Rahmen einer passiven Immunisierung innerhalb von 96 Stunden nach Kontakt mit dem Virus. Hyperimmunglobuline bezeichnen eine Antikörper-Lösung, die Ärzte bei schweren Verläufen des Herpes Zoster anwenden.

Zoster-Hyperimmunglobulin [hr style=“single“]

Des Weiteren eignen sie sich zur passiven Immunisierung innerhalb von 96 Stunden nach dem Kontakt der zu schützenden, meist abwehrgeschwächten, Person mit dem Varizella-Zoster-Virus.

Hyperimmunglobuline – hoch konzentrierte Antikörper-Lösungen gegen Gürtelrose

Blutwirkstoffe

 

Die passive Immunisierung durch Hyperimmunglobuline

Bedroht eine ernsthafte Infektion wie die Gürtelrose einen Menschen, weil ein Kontakt zu einer infizierten Person bestand, besteht die Möglichkeit einer passiven „Impfung“ mit spezifischen Immunglobulin-Präparaten, den Hyperimmunglobulinen. Dabei erhält der Betroffene ein Immunserum injiziert, das Antikörper gegen den Erreger in hoher Konzentration enthält. Die passive Immunisierung unterscheidet sich von dem medizinischen Begriff „Impfung“. Im Gegensatz dazu stellt das Immunsystem nicht selbstständig Antikörper her, es verhält sich passiv. Diese führt der Mediziner seinem Patienten ausschließlich von außen zu.

Dazu stellt die Pharma-Industrie ein Serum her, das gegen den Varizella-Zoster-Virus gerichtete hochangereicherte polyklonale (aus vielen Zellklonen gebildete) Antikörper enthält. Die Herstellung der Zoster-Hyperimmunglobuline erfolgt durch mehrfache Impfung eines Lebewesens, in diesem Fall eines Menschen, gegen den Virus. Aus dessen Blut gewinnen die Laboranten ein Hyperimmunserum.

Durch zusätzliche Aufreinigung der Immunglobulin-Fraktion entsteht das zur Post-Expositionsprophylaxe benötigte Hyperimmunglobulin. Eine angewandte Alternative zur Gewinnung der Antikörper-Lösung besteht in der Verwendung von Blut, das von Personen stammt, die eine natürliche Infektion durchmachten und einen hohen Antikörper-Spiegel gegen den Erreger aufweisen. Die passive Immunisierung bei Gürtelrose erfolgt mit dem Varizella-Zoster-Immunglobulin (VZIG), demselben Hyperimmunglobulin wie bei einer möglichen Infektion mit Windpocken, da es sich um denselben Erreger handelt.

 

Varizella-Zoster-Immunglobuline im Handel

Folgende Präparate zur passiven Immunisierung bei Gefahr, an einer Gürtelrose zu erkranken, stehen neben diversen Generika im Handel zur Verfügung:

  • Varitect®
  • Varicellon®

Beide Präparate enthalten Varizella-Zoster-Immunglobulin vom Menschen.

 

Die Dosierung von Hyperimmunglobulin

Die empfohlene Dosierung zur passiven Prophylaxe mit Varicellon® beträgt 0,2 – 0,4 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht intramuskulär. Sie eignet sich als Richtwert für eine Verabreichung innerhalb von 24 – 96 Stunden nach Kontakt mit dem Zoster-Virus. Liegt dieser länger als 72 Stunden zurück, empfiehlt sich die höhere Dosierung. Bei rechtzeitiger Gabe des Mittels ist mit einem deutlich schwächeren Verlauf des Herpes Zoster zu rechnen.

Zur intravenösen Verabreichung von Varitect® verwenden Ärzte üblicherweise eine Dosis von ein bis zwei Milliliter (25 – 50 I.E.) pro Kilogramm Körpergewicht.

 

Anwendungs-Gebiete für Varizella-Zoster-Immunglobuline

Die genannten Präparate wendet der Arzt bei seinen Patienten vorbeugend an, sofern der Betroffene in Kontakt mit dem Windpocken- und Gürtelrose-Erreger kam. Die Gabe von VZIG empfiehlt sich bei:

  • Kindern, welche das Abwehrsystem unterdrückende Behandlung erfahren, und die zuvor nicht an Windpocken erkrankten,
  • Kindern, die beispielsweise im Rahmen einer Tumor-Therapie Zytostatika erhalten,
  • abwehrgeschwächten Erwachsenen, die stark mit dem Virus in Berührung kamen,
  • Frühgeborenen unter 1.000 Gramm Geburtsgewicht oder solche, dessen Geburt vor der 28. Schwangerschaftswoche lag; Mütter litten nicht an Krankheiten, die mit einem Varizella-Zoster-Virus in Verbindung stehen,
  • im Krankenhaus gepflegten Frühgeborenen, wobei die Mütter nicht an Windpocken oder Herpes-Zoster erkrankten,
  • Neugeborenen, bei deren Müttern der Arzt zwei Tage nach bis fünf Tage vor der Geburt eine Varizellen-Erkrankung feststellt,
  • an Gürtelrose erkrankten Personen mit schwachem Immunsystem, oder bei denen ein generalisierter Herpes Zoster droht, als zusätzliche Behandlungs-Methode.

Mögliche Nebenwirkungen von Hyperimmunglobulinen gegen Gürtelrose

  • Fieber,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • allergische Reaktionen,
  • Kopfschmerzen,
  • Schüttelfrost,

 

Wie wirkt Hyperimmunglobulin?

Die in der Lösung enthaltenen Antikörper gegen den Varizella-Zoster-Virus binden sich zunächst an die Viren. Sie inaktivieren diese und zerstören sie letztendlich. Es entsteht ein sofortiger Schutz, aber keine dauerhafte Immunisierung.

 

 

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http://portal.dimdi.de/amispb/doc/pei/Web/2602134-palde-20120101.pdf

http://www.labor-blessing.de/files/pub/VarizellenInDerSchwangerschaft_2006_Stand1206.pdf

Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen/ Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V.
Harrisons Innere Medizin. Dt. Ausg. der 17. Aufl. Hrsg. der dt. Ausg. M. Dietel et al. ABW Wiss.-Verl. GmbH, 2009, S. 11369–1373
www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.htm
http://www.cdc.gov/shingles/ 
http://www.cdc.gov/shingles/hcp/clinical-overview.html, http://www.cdc.gov/shingles/hcp/diagnosis-testing.html

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== Fachautor dieses Artikels ==

Anna Nilsson, Medizinautorin

Anna Nilsson ist als Medizinautorin seit 2005 Autorin für die Inhalte in unserem Magazin verantwortlich. Ihre Artikel entsprechen dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur und medizinischen Leitlinien.


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