Welcher Arzt behandelt die Gürtelrose?

Hausarzt, Dermatologen oder Neurologe – der richtige Arzt bei Gürtelrose:

Wie findet man als Betroffener den richtigen Arzt zur Behandlung der Gürtelrose. Sollte die durch Windpocken-Viren in einem zweiten Anlauf verursachte Herpes zoster Hauterkrankung bei Ihnen zum ersten Mal auftreten, stellen Sie sich sicher die Frage, welcher Arzt die Gürtelrose behandelt. Das kommt ganz darauf an, ob die Krankheit normal verläuft oder ob sich Komplikationen abzeichnen.

 

Arztgespräch zu Herpes zoster. Copyright: Nyul bigstockphoto

Welcher Arzt behandelt die Gürtelrose?

Im Normalfall reicht der Besuch beim Hausarzt für die Behandlung einer Gürtelrose aus. Treten Komplikationen auf, kann das den Besuch bei einem Facharzt notwendig machen, etwa einem Dermatologen bei schwerwiegenden Hautreaktionen.

Einem Neurologen beim Auftreten von Nervenschädigungen, einem Hals-Nahren-Ohren-Spezialisten (HNO-Arzt), wenn das Innenohr und/oder Gleichgewichtsorgan oder einem Augenarzt, falls das Auge unter der Infektion leidet. Starke Nervenschmerzen führen oft zu Depressionen und müssen von einem Psychiater therapiert werden.

Gürtelrose Ausschlag beim Arzt: Copyright: irontrybex bigstockphoto

Ärztliche Behandlung – Das Wichtigste:

  1. Beim Auftreten einer Gürtelrose ist Ihr Hausarzt die erste Anlaufstelle. Er kümmert sich um die Behandlung der bei der Erkrankung üblichen Symptome.
  2. Sollten die Gürtelrose zu Komplikationen führen, ist eine Weiterbehandlung durch entsprechende Fachärzte notwendig.
  3. Dazu gehört insbesondere die Neurologie bei schwerwiegenden Nervenschädigungen, die über eine normale Hautreaktion hinausgehen und das Zentralnervensystem oder tiefer liegende Nerven betreffen.
  4. Bei Beteiligung von Gehör, Gleichgewicht und Auge sind Augenärzte, HNO-Ärzte und Neurologen hinzuzuziehen.
  5. Führt die Gürtelrose durch auftretende Schmerzen zu Depressionen oder Suizidgefahr, ist eine Weiterbehandlung durch einen Psychiater angeraten.

 

Erste Anlaufstelle: Hausarzt

Macht sich bei Ihnen ein gürtel- oder streifenförmiger Hautausschlag bei Ihnen breit, sollten Sie zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen. Er ist die erste Anlaufstelle und für die erste Diagnose zuständig. Nicht immer ist die Gürtelrose typisch in ihrer Erscheinung, sodass Laien sie mit einer anderen Hauterkrankung verwechselt können. Daher ist es auf jeden Fall sicherer, wenn sich eine medizinisch geschulte Person die Sache ansieht.

Ihr Hausarzt wird Ihnen raten, auf keinen Fall an dem juckenden Hautausschlag herumzukratzen und Ihnen geeignete Medikamente verschreiben. Dazu gehören insbesondere eine virusabtötende (viruzide) Salbe oder Creme, die Sie nach Vorschrift mehrmals täglich auf die entzündeten Stellen auftragen müssen. Hinzu kommen gegebenenfalls ein trocknendes Puder und/oder ein Antibiotikum, falls sich Bakterien in dem Pusteln eingenistet haben und eine Hautentzündung hervorrufen. Wird diesen nicht rechtzeitig Einhalt geboten, drohen nicht mehr rückgängig zu machende Narben und Hautverfärbungen.

Da die Viren Nervenzellen befallen, ergeben sich oft erhebliche Schmerzen. Diese lassen sich mit geeigneten Schmerzmitteln (Analgetika) wie nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR; Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac) oder lokal angewendeter Salbe mit Lidocain im Zaume halten. Sehr starke Schmerzen bedürfen der Behandlung mit Opiaten wie Tramalidon.

Der Befall von Nervenzellen hat zur Folge, dass sich bei unzureichender Behandlung und speziell bei immungeschwächten Patienten die Viren nicht nur in der Haut, sondern auch an anderer Stelle vermehren können. Das gilt für Sinnesorgane wie Auge, Innenohr und Gleichgewichtsorgan, aber auch für die Hirnhäute und das Rückenmark. Ebenso kann sich die Hautreaktion so ausweiten, dass sich besser ein Hautspezialist darum kümmern sollte. In allen Fällen, in denen solche Komplikationen auftreten, schreibt Ihnen Ihr Hausarzt eine Überweisung an die entsprechende Fachabteilung, welche die weitere Therapie übernimmt.

Hautarzt untersucht Bläschen bei Gürtelrose Copyright: Serhii Bobyk bigstockphoto

Behandlung der Gürtelrose beim Dermatologen

Vor allem in zwei Fällen werden Sie eine Überweisung zu einem Hautspezialisten (Dermatologen) bekommen: Sobald die Gürtelrose zu einer erheblichen Sekundärinfektion führt und wenn sie im Genitalbereich angesiedelt ist.

Die Hautbläschen bei einer Gürtelrose sind mit einem wäßrigen Sekret gefüllt, das einen hervorragenden Nährboden für Bakterien darstellt. Daher führt Kratzen an den juckenden Stellen sehr schnell zu einer eitrigen Infektion dieser Pusteln. Will man dauerhafte Hautschäden in Form von Narben und Pigmentstörungen verhindern, sollte sich gegebenenfalls ein Dermatologe um die Bekämpfung der Infektion und die Verhinderung von Folgeerscheinungen kümmern.

Ähnlich unangenehm wie der durch Herpes simplex-Viren hervorgerufene Genitalherpes kann eine Gürtelrose auch im Genitalbereich und an der Innenseite der Oberschenke auftreten. Auch hier ziehen es die meisten Hausärzte vor, eine weitere Therapie durch einen Dermatologen vornehmen zu lassen. Beachten Sie, dass Genitalherpes und Gürtelrose völlig verschiedene Krankheiten sind und Herpes zoster keine Geschlechtskrankheit ist.

 

Behandlung der Gürtelrose durch einen Neurologen

Meistens befallen die Viren ausgehend von den Nervenwurzeln nahe des Rückenmarks die davon abgehenden Hautnerven. Sie können sich aber auch auf andere Nerven ausbreiten, sodass die Behandlung durch einen Nervenspezialisten (Neurologen) angebracht ist.

Das betrifft Komplikationen mit Befall des Gesichtsnerven (Nervus facialis), dessen Schädigung zu einem Verlust der Mimik führt. Noch schlimmer sind die Auswirkungen im Zentralen Nervensystem mit Entzündungen der Hirnhaut (Zoster-Meningitis), der Rückenmarkshaut (Zoster-Myelitis) oder des Gehirns (Zoster-Enzephalitis).

 

Behandlung neurologischer Erscheinungen durch spezielle Fachärzte

Machen sich die Herpesviren in den Sinnesorganen breit, ist das für den Patienten noch wesentlich unangenehmer als der übliche Hautausschlag.

Darüber hinaus drohen dauerhafte Nervenschädigungen, die nicht rückgängig gemacht werden können. Daher sollte Ihr Hausarzt Sie dringend an entsprechende Spezialisten verweisen, sobald erste Komplikationen am Gehör, Gleichgewicht oder Sehsinn auftreten.

Die entsprechenden Fachärzte sind HNO-Ärzte, Augenärzte und gegebenenfalls wiederum Neurologen. Sie verfügen über ein entsprechendes diagnostisches und therapeutisches Repertoire, mit denen sich weitere Folgeerscheinungen erkennen und verhindern lassen. Ansonsten drohen Erblindung, Taubheit oder Verlust des Gleichgewichtssinnes.

 

Behandung der Folgen einer Gürtelrose durch einen Psychiater

Die Gürtelrose kann geradezu unglaubliche Nervenschmerzen hervorrufen. Selbst unter Therapie sind diese oft so erheblich, dass die Patienten an Depressionen leiden und mitunter in Suizidgefahr geraten. Dann ist eine psychiatrische Behandlung unbedingt anzuraten.

Herpes Zoster (Shingles) Copyright: TopKatai bigstockphoto

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Anna Nilsson: Gürtelrose. Der Ratgeber zu Herpes zoster. North Charleston 2016: CreateSpace Independent Publishing. ISBN-10: 1532701675.
  • Wolfram Gerlich, Hans W. Doerr: Medizinische Virologie: Grundlagen, Diagnostik, Prävention und Therapie viraler Erkrankungen. 2. Auflage. Stuttgart 2009: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131139625.
  • Fritz H. Kayser,‎ Erik Christian Böttger,‎ Otto Haller,‎ Peter Deplazes,‎ Axel Roers: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie. 13. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2014). ISBN-10: 3134448130.
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