Epstein-Barr-Virus

Das Epstein-Barr-Virus führt zu einer infektiösen Mononukleose, besser bekannt als kissing disease oder Pfeiffersches Drüsenfieber. Die Verbreitung erfolgt vor allem durch Schmierinfektion. Die Symptome ähneln denen eines grippalen Infektes und gehen mit typischen „Hamsterbacken“ einher. Das Herpesvirus verbeibt im Körper und kann Krebserkrankungen hervorrufen. Bei der Therapie steht vor allem die Bekämpfung von Symptomen wie Schmerzlinderung und Fiebersenkung im Vordergrund.

Epstein-Barr-Virus
Zerstörung des Epstein-Barr-Virus, 3D-Darstellung. Konzept zur Behandlung und Vorbeugung von Epstein-Barr-Virusinfektionen
Copyright: Tyrannosaurus, bigstockphoto

Epstein-Barr-Virus – Pfeiffersches Drüsenfieber – kissing disease:

Die einprägsame Trivialbezeichnung kissing disease (Kusskrankheit) kommt aus den USA. Dort konnte man nach Ende der Ferien am College regelmäßig einen erheblichen Anstieg der Fälle von Mononukleose feststellen. Das liegt vor allem an der Wiedersehensfreude der Studenten – nach der langen Trennung sorgten die innigen körperlichen Kontakte für eine Verbreitung durch Schmierinfektion.

Der deutsche Name geht auf den Wiesbadener Kinderarzt Emil Pfeiffer (1846-1921) zurück, der die Krankheit als idiopathische Adenitis (Drüsenentzündung unbekannter Genese) bezeichnete. Andere Bezeichnungen für die infektiöse Mononukleose (Mononucleosis infectiosa) sind Morbus Pfeiffer und in Anlehnung an die englische Bezeichnung Studentenfieber oder Studentenkrankheit.

Epstein-Barr-Virus – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Das Epstein-Barr-Virus ist der Erreger der infektiösen Mononukleose, die man auch als Pfeiffersches Drüsenfieber oder kissing disease bezeichnet.
  2. Die Übertragung findet in erster Linie durch Schmierinfektion statt.
  3. Bezeichnend für eine Mononukleose sind neben Fieber und grippeähnlichen Symptomen die typischen Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen und Lymphknoten.
  4. Eine ursächliche Behandlung der Virusinfektion ist nicht möglich, daher beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Beschwerden wie Fieber und Schmerzen.
  5. EBV gilt als Risikofaktor für verschiedene Krebsarten.

Ursachen: Epstein-Barr-Virus (EBV)

Das Epstein-Barr-Virus ist nach seinen Entdeckern Michael Epstein und Yvonne M. Barr benannt, die das Virus in Leukozyten von Patienten mit Burkitt-Lymphom erstmalig nachweisen konnten. Einen Zusammenhang mit dieser Krebserkrankung zeigte sich kurze Zeit später – damit gilt EBV als das erste identifizierte krebserregende (onkogene) Virus (Tumorvirus, Onkovirus).

EBV gehört zu den Herpesviren und wird auch als Humanes Herpesvirus 4 (HHV4) bezeichnet. Als Erbinformation dient ihnen eine doppelsträngige DNA, die sie nach Infektion in das Genom der Wirtszelle einbauen. Vor allem in B-Lymphozyten können sie jahrelang überdauern.

Ansteckung mit Epstein-Barr-Virus

Das Epstein-Barr-Virus gehört zu den am weitesten verbreiteten Viren weltweit. Man schätzt, dass rund 90 Prozent der Bevölkerung damit durchseucht sind.

Hauptübertragungswege sind Tröpfcheninfektion und Schmierinfektion durch direkten Kontakt von Schleimhäuten. Da sich die Viren bevorzugt in der Nähe der Mundhöhle ausbreiten, erfolgt die Ansteckung meistens durch Küssen.

Viren finden sich auch in Genitalasekreten, sodass eine Übertragung durch sexuelle Kontakte geschieht. Eine Infektion durch Bluttransfusionen und bei Organtransplantationen ist prinzipiell möglich.

infektiöse Mononukleose. Mund mit Pharyngitis. Epstein-Barr-Virus und reaktive Lymphozyten im Blut – Copyright: designua, bigstockphoto

Symptome einer infektiösen Mononukleose

Meistens erfolgt die Erstinfektion im Kindesalter unter drei Lebensjahren, wo sie nur geringfügige oder keinerlei Beschwerden hervorruft. Nur in der Westlichen Welt herrscht die Übertragung im Jugendalter vor.

Bei der akuten infektiösen Mononukleose vermehren sich die Viren im lymphatischen Gewebe des Rachenraumes, vor allem der Rachenmandeln (Tonsillen) und des Waldeyerschen Rachenringes (WRR). Die resultierenden Schwellungen sind auf die vermehrte Proliferation von B-Lymphozyten zurückzurühren.

Die Inkubationszeit zwischen Infektion und ersten Beschwerden kann bis zu acht Wochen betragen. Zu den Symptomen gehören

  • unspezifische Beschwerden eines grippalen Infektes wie
  • geschwollene Ohrspeicheldrüsen (Parotiden)
  • geschwollene Lymphknoten, vor allem an Hals und Nacken
  • Lymphozytose.

Selten kommt es zu

  • Schwellung der Milz (Splenomegalie), die zu einer Milzruptur führen kann
  • Leberentzündung (Hepatitis) mit Leberschwellung und Gelbsucht (Ikterus)
  • Hautausschlag, vor allem im Mundbereich (exanthemische Mononukleose)
  • Nierenentzündung (tubuläre Nephritis)
  • Hirn- und Hirnhautentzündung (Meningoenzephalitis)
  • Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis).

Die Beschwerden können einige Wochen bis Monate anhalten. Viele Patienten bleiben lebenslang ansteckungsfähig.

Epstein-Barr-Virus
Eine Herpesvirus Infektion, durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird. Copyright: bildlove bigstockphoto

Weitere durch EBV verursachte Erkrankungen

Neben der akuten Mononukleose besteht die Möglichkeit einer chronisch aktiven EBV-Infektion (cEBV) oder des sehr seltenen Duncan-Syndroms (XLP).

Man nimmt an, dass rund 10 Prozent aller Tumorerkrankungen auf Infektionen mit krebserregenden Viren zurückzuführen sind. Neben den Hepatitis-Viren HBC und HCV sowie humanen Papillomaviren (HPV) ist das Epstein-Barr-Virus dabei eine der häufigsten Ursachen.

Eine Infektion mit EBV reicht für die Krebsentstehung nicht aus. Es müssen weitere Faktoren wie Nitrosamine oder eine akute Schwächung des Immunsystems hinzukommen, damit sich Erkrankungen wie Morbus Hodgkin, Burkitt-Lymphon oder Tumoren von Nase und Kehlkopf (Nasopharyngealkarzinom, NPC) entwickeln.

Darüber hinaus verdichten sich die Hinweise, dass eine EBV-Infektion zu Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose (MS), systemischem Lupus erythematodes (LE) und rheumatoider Arthritis beiträgt.

Erhöhte IgM-Produktion durch EBV

Selten zeigen Patienten eine Reihe verschiedener Immunglobuline vom M-Typ gleichzeitig im Blut. Findet man bei der Laboruntersuchungen IgM gegen Röteln, Masern, Zytomegalie und/oder Hepatitis A, ist das ein deutlicher diagnostischer Hinweis auf das Vorliegen einer EBV-Infektion. Die Viren verursachen durch die Reaktivierung infizierter Gedächtniszellen eine Wiederaufnahme der IgM-Produktion, obwohl die zugehörige Infektion bereits Jahre zurückliegt.

Therapie der EBV-Infektion

Eine kausale Behandlung der EBV-Infektion ist bisher nicht möglich, sodass sich die Therapie auf eine Linderung der Beschwerden beschränkt. Dazu gehört die Verabreichung fiebersenkender und schmerzlindernder Mittel. Halsschmerzen beim Schlucken lassen sich mit Sprays, Lutschbonbons oder Gurgeln bekämpfen.

Bei der Behandlung bakterieller Superinfektionen kann durch die Gabe von Amoxicillin oder Ampicillin ein Hausausschlag (Exanthem) auftreten.

Durchbruch bei der Impfung gegen Epstein-Barr-Virus?

Eine prophylaktische Impfung bietet den besten Schutz vor vielen Virusinfektionen. Gegen das Epstein-Barr-Virus ist bisher keine Impfung möglich.

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und Helmholtz-Zentrums haben eine Strategie für die Impfstoffherstellung entwickelt. Dazu nutzen sie nicht nur Hüllproteine des fertigen Virus, sondern auch Eiweiße, die die infizierten Zellen während der Latenzphase bilden. Zumindest Mäuse mit menschlichem Knochenmark schützt der experimentelle Impfstoff vor einer EBV-Infektion.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. van Zyl DG, Tsai MH, Shumilov A, Schneidt V, Poirey R, Schlehe B, Fluhr H, Mautner J, Delecluse HJ. Immunogenic particles with a broad antigenic spectrum stimulate cytolytic T cells and offer increased protection against EBV infection ex vivo and in mice. PLoS Pathog. 2018 Dec 6;14(12):e1007464. doi: 10.1371/journal.ppat.1007464. eCollection 2018 Dec.
  2. Young LS, Yap LF, Murray PG. Epstein-Barr virus: more than 50 years old and still providing surprises. Nat Rev Cancer. 2016 Dec;16(12):789-802. doi: 10.1038/nrc.2016.92. Epub 2016 Sep 30. Review.
  3. Nowalk A, Green M. Epstein-Barr Virus. Microbiol Spectr. 2016 Jun;4(3). doi: 10.1128/microbiolspec.DMIH2-0011-2015. Review.
  4. Epstein A. Why and How Epstein-Barr Virus Was Discovered 50 Years Ago. Curr Top Microbiol Immunol. 2015;390(Pt 1):3-15. doi: 10.1007/978-3-319-22822-8_1. Review.
  5. Cohen JI. Epstein-Barr virus infection. N Engl J Med. 2000 Aug 17;343(7):481-92. Review.
  6. Murray P, Bell A. Contribution of the Epstein-Barr Virus to the Pathogenesis of Hodgkin Lymphoma. Curr Top Microbiol Immunol. 2015;390(Pt 1):287-313. doi: 10.1007/978-3-319-22822-8_12. Review.
  7. Wolfgang Piper: Innere Medizin. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  8. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063.
► Letzte Aktualisierung am