Nervenausfälle nach Gürtelrose

Bei der Vermehrung der Viren sterben Nervenzellen ab. Eine Regeneration ist nicht möglich – was im Nervensystem weg ist, ist ein für alle Mal verloren. Daher führt eine unbehandelte Gürtelrose je nach Gebiet ihrer Manifestation zu verschiedenen Nervenausfällen.

Viren reaktivieren und wandern an den Nervenbahnen entlang.

Woher kommen die Nervenausfälle nach Gürtelrose?

Gürtelrose ist das Rezidiv der Windpocken, das die VZV-Viren nach ihrem ersten Kontakt und jahrelangem Verstecken anrichten. Sie verbergen sich in den Spinalganglien, in denen die aus dem Rückenmark austretenden Nerven einmünden. Dort sind sie vor dem Zugriff der draußen patrouillierenden Immunzellen und Antikörper bestens geschützt.

So lange sich die Viren ruhig verhalten, ist das für die Wirtszelle kein Problem. Das ändert sich, wenn sie reaktiviert werden und den Stoffwechsel der Zelle komplett auf den Neubau frischer Viruspartikel umprogrammieren. Sie setzt dafür alle ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen ein und stirbt nach Freisetzung der Nachkommenschaft ab.

Einen Ersatz für die tote Nervenzelle gibt es nicht. Fehlen vereinzelte davon, kann das Nervensystem die Fehlstellen überbrücken. Je größer die Lücken, desto markanter die Auswirkungen. Letztlich kommt es zu immer größeren Nervenausfällen und allen damit einhergehenden Folgen.

Noch schlimmer wird die Angelegenheit, wenn Entzündungen hinzukommen. Zelltrümmer müssen von den Nachbarzellen und von Immunzellen beseitigt werden – die Infiltration des Gewebes mit weißen Blutkörperchen macht die Schäden noch größer.

Welche Nervenausfälle nach Gürtelrose können auftreten?

Die Zosterviren sind nicht besonders wählerisch – sie nehmen mit so ziemlich allem an Nervenzellen vorlieb, was ihnen in die Quere kommt. Das kann fatale Auswirkungen haben.

Insbesondere beim Befall von Sinnesorganen führen Nervenausfälle zum Verlust des betreffenden Sinnes. Dazu gehören

  • Sehverlust und Erblindung beim Zoster ophthalmicus des Auges,
  • Schwerhörigkeit und Einschränkungen des Gleichgewichtssinns bei Zoster oticus in Ohr und Gleichgewichtsorgan,
  • Geschmacksverlust und Verlust der Mimik bei Befall des Gesichtsnervens (Nervus facialis).

Auch das Zentrale Nervensystem ist vor solchen Angriffen nicht gefeit. Hier führt der Großangriff der Viren zu Entzündungen und Ausfällen von Gehirn und Rückenmark

  • bei Befall der umgebenden Häute (Zoster-Myelitis und Zoster-Meningitis) oder
  • des Gehirns selbst (Zoster-Enzephalitis).

Normalerweise kann das Immunsystem eine solch schwerwiegende Ausbreitung verhindern. Ist es durch Immunerkrankungen, Leukämien oder die Einnahme von immunsupprimierenden Medikamenten nach Organtransplantationen geschwächt, kommt es zum seltenen

Zoster generalisatus mit Nervenausfällen im gesamten Nervensystem.

Diese Form der Gürtelrose ist unmittelbar lebensbedrohend und erfordert umgehend eine intensivmedizinische Behandlung.

Was kann man als Patient gegen die Nervenausfälle nach Gürtelrose tun?

Am besten wartet man erst gar nicht ab, bis sich die ersten Ausfallerscheinungen bemerkbar machen. Daher sollte man mit einer Gürtelrose möglichst umgehend zum Arzt gehen und diese antiviral behandeln lassen. Nur so lässt sich die weitere Ausbreitung der Viren verhindern. Je mehr davon neue Nervenzellen befallen, desto größer ist die Gefahr von Komplikationen wie der postherpetischen Neuralgie (PHN) oder dem Ausfall von Sinnesorganen. Mit einer frühzeitigen Therapie lassen sich solche Folgen vermeiden.

Leidet man bereits an Nervenausfällen, muss man die Medikation des Arztes einnehmen. Schmerzmittel, Antikonvulsiva, Antidepressiva und Opioide lindern die Auswirkungen der fehlenden Nervenzellen, allen voran die Schmerzen. Hierfür kommen auch weitere medizinische Verfahren wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) infrage, und auch eine gute Physiotherapie oder gegebenenfalls Psychotherapie helfen die körperlichen wie geistigen Folgen zu lindern.

Vorbeugen ist besser als heilen!

Die beste Maßnahme ist die rechtzeitige Vorbeugung. Inzwischen ist in Deutschland ein Totimpfstoff auf dem Markt erschienen, der eine wesentlich bessere Wirksamkeit zeigt als der früher verwendete Lebendimpfstoff. Die Vakzinierung verhindert, dass sich die VZV-Viren überhaupt im Körper festsetzen und ausbreiten können. Somit lassen sich auch Nervenausfälle und alle anderen bei einer Gürtelrose drohenden Komplikationen ausschließen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

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