Gürtelrose am Ohr – Zoster oticus

Zoster oticus wird durch Varizella-Zoster-Viren und ist eine infektiöse Variante des Herpes Zoster. Die Zweitmanifestation ist auch bekannt unter der Bezeichnung Ramsay-Hunt-Syndrom.

Komplikationen am Kopf
Komplikationen am Kopf und Ohr – Copyright: Rido81 bigstockphoto

Gürtelrose am Ohr

Lagern sich die Erreger in den Nervenstrukturen des Hörorgans an, bemerken die Patienten charakteristische Symptome. Beispielsweise kommt es bei ihnen zu Hörstörungen, die aus einer Irritation des Nervus acusticus resultieren. Die Mediziner sprechen bei dem Phänomen von Ohrgeräuschen, die sich im schlimmsten Fall zu einem Tinnitus ausweiten. Ebenso führt die Gürtelrose im Bereich der Ohren zu Störungen des Gleichgewichts. Das geschieht, wenn die Viren sich an dem Nervus vestibularis anlagern. Die Betroffenen verspüren ein starkes Schwindelgefühl.

Gleichfalls erhöht sich das Risiko intensiver Kopfschmerzen sowie einer temporären Taubheit. Ausschließlich in seltenen Fällen bleiben die Ohrgeräusche nach dem Überstehen der Krankheit bestehen. Bei einer Entzündung des Nervus fazialis droht eine komplette Lähmung des Gesichts. Speziell versorgt der Nervenstrang die Gesichtsmuskulatur, wobei er zwischen dem Mittel- und dem Innenohr verläuft. Bei 50 Prozent der Patienten bildet sich die Lähmung zurück. Die Fazialisparese bezeichnet die Lähmungserscheinungen des ganzen Nervs. Ihre Entstehung erfolgt ebenfalls bei einer Gürtelrose am Hals.

Ein andere Bezeichnung der Fazialisparese und Neuralgie bedingt durch einen Zoster oticus lautet Ramsay-Hunt-Syndrom, genauer Ramsay-Hunt-Neuralgie. Ohne eine zeitnahe Behandlung droht eine bleibende Taubheit. Ebenso wie beim Herpes Zoster am Auge führt der Zoster oticus zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Post-Zoster-Neuralgie.

Da in der Regel der fünfte Hirnnerv die anhaltenden Schmerzen verantwortet, sprechen die Ärzte von einer Trigeminusneuralgie. Bei jeder Form der Gürtelrose besteht die Gefahr von Hautirritationen, Bluteinschlüssen oder Narbenbildung. Die oberste Hautschicht im Gesicht und am Hals gehört zu den sensibelsten Stellen am menschlichen Körper. Aus dem Grund besteht ein hohes Risiko von bleibenden Narben.

Gürtelrose am Ohr Symptome

An der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang setzen sich Bläschen fest, die für den Erkrankten schmerzhaft sind. Dazu kommt eine fieberhafte Infektion, die den Patienten schwächt. Betroffen von der dazukommenden Neuritis ist der siebente Gehirnnerv, der parasympathische, sensible, motorische und sensorische Fasern führt.

Die Neuritis führt zu Lähmungen dieses Nervs, der den Fachausdruck Nervus facialis hat. Einhergehend mit den Lähmungserscheinungen verschlechtert sich das Hörvermögen, was zur Taubheit führen kann. Verbunden mit der Neuritis am Innenohr treten Schwindel und Koordinationsprobleme der Bewegungen, insbesondere am Auge, auf.

Der Patient leidet unter Schmerzen im Ohr und dem angrenzenden Bereich im Gesicht. Ursächlich für die Schmerzen sind die Bläschen, die wie sich ähnlich wie ein Ausschlag im Ohr ausbreiten. Daneben leidet der an Zoster oticus Leidende an Gleichgewichtsstörungen und einem verminderten Hörvermögen.

Weitere Symptome des Zoster oticus sind Geschmacksstörungen und eine Lähmung der Muskulatur im Gesichtsbereich. Die Herpesviren, die für die Erkrankung an Zoster oticus ursächlich sind, greifen auf Gaumen und Zunge über. Selten klagt der Patient über Kopfschmerzen, einem steifen Nacken und ist verwirrt.

Diese Symptome treten allerdings auch bei einer Meningoenzephalitis, einer Gehirnhautentzündung, auf, was die Diagnose erschwert. Die Symptome des Zoster oticus können in einigen Tagen oder Wochen abklingen. Der Hörverlust und die Lähmung des Gesichts sind möglicherweise ganz oder nur teilweise irreparabel.

Untersuchung und Diagnose des Arztes

In der Regel befindet sich der Patient in einer Klinik, wenn der Arzt ihn untersucht. Bevor der Mediziner die Diagnose Zoster oticus an den Patienten weitergibt, führt er verschiedene Tests durch – wie das Audiogramm.

Das Vestibularorgan, das einen Teil des Innenohrs bezeichnet, unterzieht der Arzt einer rotatorischen und thermischen Prüfung. Bei der rotatorischen Prüfung untersucht der Doktor ein vorhandenes Funktionsgleichgewicht des Organs. Die thermische Untersuchung gibt Aufschluss über die periphere Erregbarkeit des Innenohrs.

Bei der Lumbalpunktion entnimmt der Arzt Flüssigkeit aus dem Rückenmark und lässt dieses im Labor untersuchen. Bei der Analyse des Liquors, der Flüssigkeit aus dem Rückenmark, sucht der Mediziner nach einer erhöhten Anzahl Lymphozyten, die zu einer Untergruppe der Leukozyten gehören, wie die Anzahl der Proteine, die im Liquor vermehrt vorkommen. Nach diesen umfangreichen Untersuchungen erhält der Arzt die Ergebnisse, wertet sie aus und kann, sofern die Ergebnisse positiv sind, die Diagnose Zoster oticus stellen.

Die Therapie bei Zoster oticus

Zoster oticus behandelt der Mediziner in der Regel mit Aciclovir, einem Virostatikum. Virostatika bezeichnet die Medikamentengruppe, die auf den Prozess der Vermehrung oder Freisetzung der Viren hemmend wirkt.

Viren haben im Gegensatz zu Bakterien keinen eigenen Stoffwechsel. Antibiotikum kann Bakterien eliminieren, bei Viren helfen diese Mittel nicht. Bisher ist es den Forschern nicht gelungen, die RNA oder DNA der Viren in den Wirtszellen zu entfernen. Die Gruppe der Virostatika hemmt das Ausbreiten und Vervielfältigen der Viren und verhindert das Anbinden der Viren an die Wirtszellen. Zusätzlich zu Aciclovir verordnet der Arzt Gammaglobuline und Antineuralgika. Gammaglobuline unterstützen die Leukozyten bei der Bekämpfung der Viren.

Je früher der Arzt die Diagnose Zoster oticus stellen kann, desto schneller ist der Patient wieder auf den Beinen. Zeigt die medikamentöse Behandlung keine Wirkung, können die Beschwerden dauerhaft sein.

Bei einer chronischen Erkrankung an Zoster oticus kommen Schmerztherapien zum Einsatz sowie weiterführende Konzepte einer Schmerzklinik. Bei Zoster oticus greifen die Viren Teile des Gehirns an, das einen dauerhaften Schaden erleiden kann. Betroffen ist insbesondere die Wahrnehmung durch das Ohr und die Motorik. Anfällig für Zoster oticus sind Menschen mit einer Immunschwäche, beispielsweise Patienten, die sich einer Chemo- oder Strahlentherapie unterziehen oder HIV-positive Menschen.

Quellen