Bindehautentzündung nach Gürtelrose, Augenzoster

Konjunktivitis nach Gürtelrose

Gürtelrose macht sich nicht nur auf der Haut bemerkbar. Die Herpesviren verbreiten sich in Nervenzellen und können daher überall am Körper auftreten – mit unterschiedlichen Beschwerden. Bei der „Kopfrose“, einem Befall des Kopfbereiches, droht die feindliche Übernahme von Sinnesorganen wie dem Auge. Mit die häufigste Komplikation ist der Augenzoster (Zoster ophthalmicus), der häufig mit einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) einhergeht.

Konjunktivitis nach Gürtelrose
Konjunktivitis nach Gürtelrose Copyright: Andrei310 bigstockphoto

Was ist überhaupt die Bindehaut?

Die Bindehaut oder Konjunktiva schützt das Auge und ist im Prinzip nichts anderes als eine Schleimhaut, wie wir sie auch von Mund und Nase kennen. Sie reicht von der Übergangsstelle (Limbus) zwischen Hornhaut (Cornea) und Lederhaut (Sklera) über die Umschlagsfalte (Fornix) zwischen Lid und Augapfel bis zu Rand der Augenlider. Sie bildet eine Art Sack, der die Beweglichkeit des Auges im Lidbereich gewährleistet.

Die Bindehaut ist durchsichtig, stark durchblutet und hält das Auge feucht. Mit Lysozym, das die Bakterienwand auflöst, bietet sie einen gewissen Schutz vor den Keimen. Zudem stehen Abwehrzellen jederzeit parat, um sich um Eindringlinge zu kümmern.

Was ist eine Bindehautentzündung?

Haben Bakterien oder Viren die Überhand gewonnen, so äußert sich das im Auge mit einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Die massenhaft herbeigerufenen Immunzellen kämpfen mit den Erregern und sorgen damit für Rötungen und Schwellungen. Die Augen tränen, und zudem ist die Sache oft relativ schmerzhaft, da die Bindehaut mit zahlreichen sensiblen Nervenendigungen ausgestattet ist. Hier verlaufen mehrere Äste des Nervus trigeminus und sorgen für hohe Schmerzempfindlichkeit.

Ähnliche Reaktionen können auch bei einer Allergie auftreten, etwa beim Heuschnupfen – oder bei Gürtelrose.

Bindehautentzündung nach Gürtelrose

Bei der Gürtelrose handelt es sich um das Rezidiv einer vorangegangenen Erkrankung mit Windpocken. Jahrelang lauern die Herpesviren (VZV) in den Spinalganglien am Rückenmark auf eine Schwächung des Immunsystems, bei der sie sich in Windeseile vermehrten und neue Nervenzellen als Virusfabriken missbrauchen.

Dabei machen sie sich nicht nur über die Nerven am Rumpf her und führen zu den bekannten gürtelförmigen Hautausschlägen. In seltenen Fällen sind die Nerven im Kopfbereich betroffen und es kommt zu einer „Kopfrose“.

Hier ist die Gefahr besonders groß, dass Sinnesorgane betroffen werden, so auch die Augen. Gelangen die Viren über den ersten Ast des Nervus trigeminus in den Sehnerven (Nervus opthalmicus), droht ein Augenzoster (Zoster ophthalmicus).

Erstes Anzeichen ist oftmals das Hutchinson-Zeichen, ein für die Gürtelrose typischer Hautausschlag auf der Nasenspitze. Dieser breitet sich aus und ist mit starken Schmerzen im Gesicht verbunden. Die Nervenschäden sorgen für eine reduzierte Sensibilität am Auge, die sogar die Hornhaut betreffen und den normalen Lidschlussreflex beeinträchtigen kann.

Außer Bindehautentzündung können nach Gürtelrose andere Augenentzündungen auftreten

Im Auge angelangt können die Viren zu einer Vielzahl von Entzündungsreaktionen sorgen, darunter

  • des Sehnerven (Optikusneuritis),
  • der Augenhaut (Uveitis),
  • Hornhaut (Keratitis),
  • Regenbogenhaut (Irititis),
  • Netzhaut (Retinitis),
  • Bindehaut (Konjunktivitis) oder der
  • Augenlider (Blepharitis).

Was tun bei einer Bindehautentzündung nach Gürtelrose?

Wichtig sind vor allem eine rechtzeitige Diagnose und antivirale Therapie. Gerade im Gesichtsbereich denken die wenigsten Patienten bei Jucken, Kribbeln und beginnendem Hautausschlag an eine Gürtelrose. Dabei sollten gerade hier die Viren so schnell wie möglich eingedämmt werden, bevor sie großen Schaden anrichten. Einmal am Kopf angelangt können sie außer einer Bindehautentzündung nach Gürtelrose auch lebensbedrohliche Hirn- und Hirnhautentzündungen hervorrufen oder Zunge, Auge und Ohr irreversibel schädigen.

In einigen Fällen kann der Augenzoster das Sehvermögen beeinträchtigen oder vollständige Erblindung auf der betroffenen Seite bewirken. Der Augenarzt wird das Auge des Öfteren kontrollieren und dabei gegebenenfalls auch den Augeninnendruck messen, um einen Druckanstieg und Grünen Star (Glaukom) zu verhindern. Zudem drohen bei der häufig gleichzeitig auftretenden Keratitis Vernarbungen der Hornhaut.

Unabhängig von der Behandlung der Ursachen muss auch die Entzündung versorgt werden. Das geschieht wie bei jeder Bindehautentzündung mit Augentropfen oder einer Augensalbe. Haben Bakterien die Gunst der Stunde genutzt und haben eine Sekundärinfektion hervorgerufen – kenntlich an eitrigem Ausfluss – sind solche mit Antibiotika angebracht.

Ist das Auge besonders trocken, sollte man mehrmals täglich mit einem Tränenersatzmittel nachhelfen. Glukokortikoide wie bei einer allergischen Konjunktivitis sollte man tunlichst vermeiden, denn sie fördern die Virusvermehrung.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Anna Nilsson: Gürtelrose. Der Ratgeber zu Herpes zoster. North Charleston: CreateSpace Independent Publishing (2016). ISBN-10: 1532701675.
  • Robert-Koch-Institut (RKI): Gürtelrose (Herpes zoster): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung.
    https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Herpes_zoster/FAQ-Liste.html
  • Gerhhard K. Lang: Augenheilkunde. Stuttgart 2019: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3132426253.
  • Günter K. Krieglstein, Christian P. Jonescu-Cuypers, Maria Severin: Atlas der Augenheilkunde. Stuttgart 1998: Springer-Verlag. ISBN-10 3540640010.
     
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