Nervenschmerzen bei Gürtelrose

veröffentlicht von: Anna Nilsson, medizinische Kontrolle: L. Schnurbus.

Eine Gürtelrose ist aufgrund der auftretenden Nervenschmerzen sehr unangenehm, weswegen eine Behandlung darauf abzielt, die Beschwerden zu lindern. Abhängig von der Schwere der Beschwerden kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Wie der Nervenschmerz  entsteht und richtig zugeordnet werden kann erfahren Sie hier.

Herpes Zoster gesichtsrose im fortgeschrittenen Alter

 

Schmerztherapien bei Gürtelrose

Schmerzmittel dienen dazu, die oftmals akuten Schmerzen zu verringern und den anhaltenden Nervenschmerz erträglich zu machen. Desweiteren dient eine Schmerztherapie dazu, die Gefahr möglicher Komplikationen zu reduzieren.

GürtelroseAkute und chronische Schmerzen

Der beständige Nervenschmerz ist auf die Entzündung zurückzuführen, weswegen neben der Verringerung der Schmerzen auch die Unterstützung des Heilungsprozesses im Vordergrund steht.

Bei akuten Nervenschmerzen und bei chronischen Schmerzen werden aufgrund der Effektivität Kortisonpräparate angewandt. Einige Schmerztherapeuten setzen aufgrund der starken Nervenschmerzen sogenannte Sympathikusblocker ein. Bei dem Einsatz von Schmerzhemmern wie zum Beispiel einer ganglionäre lokale Opiodanalgesie ist es wichtig, die Einnahme sehr streng vorzunehmen.

 

Ursache der Gürtelrose Schmerzen

Eine Gürtelrose ist auch unter den Bezeichnungen Herpes Zoster und Zoster bekannt. Ein Ausbruch einer Gürtelrose ist auf den Virus Varizella-Zoster zurückzuführen.

Die bekannte Kinderkrankheit Windpocken wird ebenfalls von VZV (Varizella-Zoster-Viren) verursacht. Bei einer Infektion mit dieser Virusart in der Kindheit oder dem Erwachsenenalter verbleiben „lebende“ Viren im Körper. Die überlebenden Viren sind in den Nervenzellkörpern in der Nähe des Rückenmarks zu finden. Die Nervenzellkörper sind ein Teil der Nervenfasern, die zum zentralen Nervensystem gehören. Die Nervenfasern haben die Aufgabe Informationen von der Haut zum Gehirn oder Rückenmark weiterzuleiten. Ein erneuter Ausbruch der Varizella-Zoster-Viren tritt bei einem geschwächten Immunsystem auf. Ein geschwächtes Immunsystem kann entstehen, wenn dauerhafter psychischer Stress besteht sowie Krebserkrankungen, HIV-Erkrankungen, Diabetes mellitus vorliegen oder Chemotherapien notwendig sind. Die erneut aktiv gewordenen Viren werden über die Nervenfasern bis zur Hautoberfläche transportiert, wo sie eine unangenehme Entzündung auslösen.

 

Gürtelrose – was tun gegen Schmerzen?

 

Behandlungs-Möglichkeiten bei einer Post-Zoster-Neuralgie

Neben dem typischen Ausschlag treten Schmerzen bei Gürtelrose in bestimmten Hautbereichen auf. Bei normalem Verlauf der Erkrankung verschwinden sie zwei bis vier Wochen nach Abklingen des Hautausschlages. Laut einem Artikel der „ÄrzteZeitung“ vom 10.03.2004 mit dem Titel „Opioide lindern starke Schmerzen durch Post-Zoster-Neuralgie“ kämpft danach jeder zehnte bis fünfzehnte Gürtelrose-Patient weiterhin mit starken Nervenschmerzen. Diese bergen nach Aussage der Schmerz-Therapeutin Halke Öttlinger aus Pressig die Gefahr einer Chronifizierung. Sie empfiehlt ein rasches Handeln.

 

Schmerzhafte Symptome einer Post-Zoster-Neuralgie

Treten Schmerzen (nach einer Gürtelrose) auf, spricht der Mediziner von einer Post-Zoster-Neuralgie. Diese Komplikation ist häufig. Das Risiko dafür steigt mit zunehmendem Alter des Patienten. Frauen betrifft die Post-Zoster-Neuralgie (PZN) häufiger als Männer. Laut einer am 17.07.2012 veröffentlichten Pressemitteilung auf dem Informations-Portal des BVDN, www.neurologen-im-netz.de mit dem Titel „Nervenschmerzen nach Gürtelrose zeitnah behandeln lassen“ beschreibt der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Nervenärzte, Dr. Frank Bergmann, die Beschwerden als bohrende, brennende Dauerschmerzen sowie mit heftigen, kurzen Schmerzattacken.Bei Berührung strahlt der Schmerz flächig aus. Die Haut ist überempfindlich und juckt. Die Symptome belasten den Patienten, stören seinen normalen Tagesablauf und den Schlaf. Psychische Anspannung verschlimmert das Befinden.

 

Schmerztherapie bei Post-Zoster-Neuralgie

Noch ist unklar, wie der Komplikation vorzubeugen und welche die beste Behandlung ist. Herkömmliche Schmerzmittel helfen nicht. Die Symptome zu bekämpfen, erfordert eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Therapie.

Antidepressiva oder Antiepileptika oder opioidhaltige Medikamente lindern den Schmerz. Auch lokale Mittel zur Betäubung der Schmerz-Areale oder Capsaicin helfen. Akupunktur oder Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) unterstützen die Therapie.Die meisten Behandlungen lindern nur kurzfristig die Schmerzen. Es fehlen Langzeit-Studien, welche die Wirkung der Therapien beurteilen. Speziell ausgebildete Schmerz-Therapeuten helfen Betroffenen mit einer langfristigen Schmerz-Behandlung. Entwickelt der Patient aufgrund der wiederkehrenden Schmerzen nach der Gürtelrose Depressionen, begleitet ein Psychotherapeut die Therapie des behandelnden Arztes.

 

Die Medikation bei Komplikationen nach einer Gürtelrose

Schmerzlindernde Medikamente (Analgetika) erwiesen sich bisher als die beste Wahl bei der Behandlung. Wirkstoff und Dosierung hängen von der Stärke der Schmerzen ab und wie der Patient das Arzneimittel verträgt. Opioide verordnen Ärzte bei mittelstarken bis starken Beschwerden. Die verschreibungspflichtigen Medikamente wirken im zentralen Nervensystem. Gute Erfolge erzielen die Mittel Oxycodon oder Tramadol. Die medikamentöse Behandlung erreicht keine komplette Schmerz-Freiheit. Im besten Fall nehmen die Schmerzen bei Gürtelrose um 80 Prozent ab. Nebenwirkungen wie Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung sowie Probleme beim Wasserlassen treten auf. Sie klingen im Laufe der Behandlung ab.

Langzeitschäden durch schnelles Handeln vermeiden

Treten nach Abklingen der Symptome einer Gürtelrose weiterhin Schmerzen auf, gilt es, sofort einen Arzt zu konsultieren. Eine Langzeitschädigung der Nerven droht. Unter widrigen Umständen begleiten die Schmerzen den Betroffenen ein Leben lang. Der Mediziner stellt bei Bedarf eine auf den Patienten individuell abgestimmte Therapie mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Behandlungs-Strategien zusammen.

 

Nervenschmerzen bei Gürtelrose behandeln

 

Therapie – Möglichkeiten

Eine Gürtelrose ist aufgrund der Nervenschmerzen sehr unangenehm, weswegen eine Behandlung darauf abzielt, die Beschwerden zu lindern. Abhängig von der Schwere der Beschwerden kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Schmerzmittel dienen dazu, die oftmals akuten Schmerzen zu verringern und den anhaltenden Nervenschmerz erträglich zu machen. Desweiteren dient eine Schmerztherapie dazu, die Gefahr möglicher Komplikationen zu reduzieren.

 

Junge Patienten

Bei jungen Menschen, bei denen keine Schwächung des Immunsystems festzustellen ist, reichen meistens lokale Behandlungen aus. Diese lokalen Behandlungen erfolgen zum Beispiel durch ein Auftragen von Zinkpaste, ein Verabreichen von Medikamenten und ein Kühlen der entzündeten Stellen.

 

Ältere Patienten

Bei älteren Personen steigt die Gefahr einer Immunschwäche, was das Risiko von Komplikationen steigen lässt. Aus diesem Grund entscheiden sich viele behandelnde Ärzte nicht nur für den Einsatz von lokalen Maßnahmen, sondern auch für das verwenden anderer Behandlungen.
Um den Nervenschmerz zu verringern und die Produktion der Viren zu reduzieren kommen in den meisten Fällen sogenannte Virustatika zum Einsatz. Eine Therapie mit Virustatika muss schnell erfolgen, um Komplikationen vorzubeugen. Die klassischen Schmerzmittel reichen bei akuten Erkrankungen nicht aus, weswegen Opiate eingesetzt werden.

 

Einsatz von Antidepressiva

Ist eine Erkrankung überstanden, wird automatisch davon ausgegangen, dass alle Beschwerden nach und nach abklingen. Doch bei einer Gürtelrose kann es vereinzelt zu starken Nervenschmerzen kommen, die auch nach einem Abflauen der Entzündung bestehen bleiben. Die Kombination aus intensiven Nervenschmerzen trotz erfolgreicher Abheilung kann zu Depressionen führen. Der Einsatz von Antidepressiva wie zum Beispiel Desipramin, Nortriptylin und Amitriptylin eignen sich für eine Reduzierung der Schmerzen und Bekämpfung depressiver Verstimmungen. Diese kombinierte Wirksamkeit ist der Grund, weswegen ein Verabreichen von klassischen Schmerzmitteln nur bei einzelnen schweren Fällen notwendig ist. Die Wirksamkeit der Antidepressiva setzt verzögert nach sieben bis zehn Tagen ein. Da bei anhaltenden Nervenschmerzen die Verringerung der Schmerzen im Vordergrund steht, ist die Dosierung der Antidepressiva niedriger als bei der Behandlung von Depressionen.

 

Antiepileptika

Eine andere Möglichkeit Nervenschmerzen zu behandeln ist der Einsatz von Medikamenten, die epileptischen Anfällen entgegenwirken. Bekannte Antiepileptika wie zum Beispiel Gabapentin oder Carbamazepin werden bevorzugt verschrieben. Diese Form der Medikamente wirkt sich auf das Nervensystem aus und verringert so die Schmerzintensität.

 

NMDA – Antagonisten

Weitere medikamentöse Substanzen, die sich für eine Therapie von Nervenschmerzen eignen, sind sogenannte Übertragungssubstanzen. Die Schmerzen werden aufgrund einer Blockierung der schmerzleitenden Nervenbahnen abgeschwächt. Diese Form der Medikamentengruppe wird gern mit anderen Behandlungsverfahren kombiniert.

 

Lokale Anwendung

Ein lokal wirksames Betäubungsmittel kann auf die schmerzenden Körperbereiche aufgetragen oder injiziert werden. Die gute Verträglichkeit dieser Behandlung ist ein Grund, weswegen diese Form der Therapie häufig zum Einsatz kommt.

Viele Ärzte verschreiben für eine lokale Behandlung von Nervenschmerzen die Indikation Lidocain. Eine andere Substanz, die sich für eine lokale Behandlung eignet, ist Capsaicin. Capsaicin führt zu einer vermehrten Ausschüttung der körpereigenen Substanz P. Die Substanz P beeinflusst die Nervenschmerzen insoweit, dass das schmerzhafte brennende Hitzegefühl gelindert. Ein TEN-Verfahren (transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine nicht medikamentöse Form der Therapie. Bei dieser Anwendung werden die Nervenschmerzen verringert, indem die auffälligen Nervenbahnen gezielt aktiviert werden. Es werden elektrische Impulse ausgestrahlt, die dazu dienen, die Schmerzimpulse zu verschließen und so die Überempfindlichkeit von Berührungen zu verringern.

 

Psychologische Schmerztherapien

Aufgrund der umfangreichen Einschränkungen bei Nervenschmerzen besteht eine Therapie aus mehreren Teilbereichen. Neben der medikamentösen Behandlung kommen sogenannte Schmerztherapien zum Einsatz.

  • Entspannungsverfahren
  • Autogenes Training
  • Muskelrelaxation (progressiv) nach Jacobsen
  • Lenkung des Aufmerksamkeitsfokus (Gedankenreise)
  • Biofeedback
  • Training zur Stressbewältigung
  • Training zur Schmerzbewältigung
  • Psychotherapie

 

Akupunktur

Nervenschmerzen können durch die sanfte Behandlung mit Hilfe von Akupunktur merklich und ohne den Einsatz von Medikamenten therapiert werden. Mit Hilfe bestimmter Akupunktur-Punkte ist es möglich, die verschiedenen Körperfunktionen anzuregen und die Selbstheilung zu steigern.


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