Gürtelrose im Anfangsstadium (Prodromalstadium)

Wie äußert sich eine Gürtelrose im Anfangsstadium, dem sogenannten Prodromalstadium? Um eine voll ausgeprägte Gürtelrose zu erkennen, genügt meistens ein kurzer Blick: Die typischen gürtel- oder bandförmigen Pusteln und Bläschen sind so charakteristisch, dass sie kaum mit einer anderen Hauterkrankung verwechselt werden können.

Wir betrachten wie die ersten Anzeichen eines Ausbruchs bereits einige Tage vor den ersten Hauterscheinungen im Prodromalstadium der Gürterose zu erkennen sind:

Gürtelrose Ausschlag beim Arzt: Copyright: irontrybex bigstockphoto

Was passiert bei der Gürtelrose im Prodromalstadium?

Den zunächst recht unauffälligen Beginn eines Ausbruchs der Gürtelrose bezeichnet man als Prodromalstadium, das meist drei bis fünf Tage andauert. Die bei der erstmaligen Infektion Windpocken verursachenden Viren haben sich in die Spinalganglien links und rechts der Wirbelsäule zurückgezogen und warten darauf, dass das Immunsystem woanders beschäftigt ist. Dann kommen sie aus ihrem Versteck gekrochen und wandern entlang der Nervenbahnen in Richtung Peripherie.

Erschrecken Sie nicht, aber das passiert eigentlich ständig. Immer wieder starten die Viren in einzelnen Nervenzellen einen Testlauf und vermehren sich. Das geschieht in der Regel völlig unbemerkt, denn ein starkes Immunsystem macht mit den ungebetenen Gästen kurzen Prozess.

Gürtelrose Anzeichen erkennen
Gürtelrose Diagnose durch den Arzt . Copyright: Serhii Bobyk bigstockphoto

Das sieht ganz anders aus, wenn die Abwehrzellen gerade mit der Bekämpfung eines grippalen Infektes oder einer Allergie beschäftigt sind. Die Viren nutzen die Gunst der Stunde und vermehren sich, befallen weitere Nervenzellen und lassen diese noch mehr Viren herstellen. Erst ab einem gewissen Punkt dieser Vermehrung wandern die Viren an die Hautoberfläche und verursachen dort die typischen pusteligen, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen.

Gürtelrose erste Anzeichen im Prodromalstadium

  1. Eine Gürtelrose ist die Neuauflage einer Infektion mit Windpocken-Viren. Diese halten sich mitunter jahrelang in den Spinalganglien in der Nähe des Rückenmarks versteckt und warten auf eine Schwächung des Immunsystems.
  2. Ist das der Fall, vermehren sie sich explosionsartig. Das gibt der ohnehin geschundenen Immunabwehr noch mehr zu tun – daher äußern sich die ersten Anzeichen einer Gürtelrose im sogenannten Prodromalstadium ganz ähnlich wie eine Grippe.
  3. Neben leichtem Fieber gehören dazu die üblichen Verdächtigen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Leistungsschwäche.
  4. Dass es sich dabei nicht um eine normale Erkältung handelt, merkt man als Patient daran, dass sich die ersten Anzeichen an bestimmten, begrenzten Stellen der Haut äußern.
  5. Dazu gehören Nervenschmerzen, Kribbeln und eine verminderte Sensibilität. Erst danach treten die ersten Hauterscheinungen auf.

Das beschäftigte Immunsystem

Wie sich eine Immunabwehr auf Hochtouren äußert, kennt jeder von uns am besten von den häufigen grippalen Infekten. Die Symptome sind daher erst einmal die gleichen wie bei einem Befall mit Rhinoviren oder dem Influenzavirus.

Eine der wichtigsten Maßnahmen des Körpers, um sich irgendwelcher Viren zu entledigen, ist eine Temperaturerhöhung. Die meisten Viren reagieren bereits auf leicht erhöhte Körpertemperatur sehr empfindlich und sind nicht mehr in der Lage, weitere Zellen des Körpers zu befallen. Fieber ist eigentlich nichts Schlechtes, sondern dient als effektiver Schutzmechanismus. Nur sollte es nicht so weit hochgehen, dass eine unmittelbare Gefahr für das Leben des Patienten besteht.

Ein leichtes Fieber im Prodromalstadium der Gürtelrose deuten viele Patienten als den Anflug eines grippalen Infektes. Manchmal haben sie damit sogar Recht – oft ist ein solcher der Auslöser für ein Hervorkommen der Viren.

Das Immunsystem benötigt eine Menge Energie und Ressourcen, um der Lage Herr zu werden. Diese Energie fehlt an anderer Stelle und sorgt für Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche. Hinzu kommen Kopf- und Gliederschmerzen, wie man sie ebenfalls von Erkältungskrankheiten kennt.

Alle diese Beschwerden sind sehr unspezifisch und treten bei einer Vielzahl von Virusinfektionen auf, nicht nur bei Grippe und Gürtelrose. Gehen Patienten in diesem frühen Prodromalstadium zum Arzt, deutet sogar dieser die Zeichen oftmals falsch und geht von einer Erkältung, einem Bandscheibenvorfall, einer Blinddarmentzündung oder sogar einem Herzinfarkt aus. Wie Sie als Patient geht er zunächst einmal von der naheliegendsten Diagnose aus – und das sind nun mal Erkältungskrankheiten.

Herpes Zoster (Shingles) Copyright: TopKatai bigstockphoto

 

Erste Anzeichen auf der Haut

Hatten Sie bereits Windpocken oder haben sogar den Ausbruch einer Gürtelrose hinter sich gebracht, machen erste Symptome auf der Haut Sie oder Ihren Arzt misstrauisch: Das kann doch keine Erkältung sein?

Meistens äußert sich die Gürtelrose mit einem seltsam kribbelnden Gefühl an der betroffenen Stelle – ein Vorgeschmack auf kommenden erheblichen Juckreiz, der durch die Beeinträchtigung der Hautnerven zustande kommt. Eine weitere Folge ist eine verminderte Sensibilität (Parästhesie), die bei weiterer Schädigung zu erheblichen Nervenschmerzen bereits im Prodromalstadium führen kann.

Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist ein rechtzeitiger Therapiebeginn!

Je weniger Viren bereits in Ihrem Körper im Umlauf sind, desto leichter lässt sich die Gürtelrose bekämpfen. Letzten Endes ist es das körpereigene Immunsystem, das sich nachhaltig um die Eindämmung der Viren kümmern und diese in ihre Bastionen in den Spinalganglien zurücktreiben muss. Dort sind die Viren für die Abwehrzellen nicht zugänglich, sodass sie auf die nächste Gelegenheit und einen neuen Ausbruchsversuch warten können.

Wenn Sie schon einmal eine Gürtelrose hinter sich gebracht haben, sollten Sie daher immer auf der Hut sein und ihre Haut kritisch beobachten. Denken Sie daran, dass eine Vielzahl von Einflüssen das Immunsystem in seiner Abwehrbereitschaft beeinträchtigt: Andere Infektionen, aber auch Stress oder zunehmendes Alter, viel UV-Bestrahlung oder eine Immunschwäche bei HIV-Infektion oder Immunsuppression nach Organtransplantation bieten der Virusvermehrung eine gute Grundlage.

Gehen Sie daher als Gürtelrose-Patient zu Ihrem Hausarzt, sobald neben den untypischen grippeähnlichen Symptomen die ersten Hautzeichen wie Kribbeln und Missempfindungen auftreten! Werden die Viren rechtzeitig mit Virostatika bekämpft, kann man sich erhebliche Mengen an Juckreiz, Hautinfektionen und Schmerztherapie ersparen. Gerade wenn das Immunsystem ohnehin geschwächt ist, ist die Behandlung schwieriger und das Auftreten vom Komplikationen möglich.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Anna Nilsson: Gürtelrose. Der Ratgeber zu Herpes zoster. North Charleston 2016: CreateSpace Independent Publishing. ISBN-10: 1532701675. hier↑
  • Wolfram Gerlich, Hans W. Doerr: Medizinische Virologie: Grundlagen, Diagnostik, Prävention und Therapie viraler Erkrankungen. 2. Auflage. Stuttgart 2009: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131139625.
  • Fritz H. Kayser,‎ Erik Christian Böttger,‎ Otto Haller,‎ Peter Deplazes,‎ Axel Roers: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie. 13. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2014). ISBN-10: 3134448130.
  • Was ist ein Prodromalstadium, flexikon.doccheck.com hier↑

 

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