Wie gefährlich ist eine Gürtelrose Erkrankung?

Arztgespräch zu Herpes zoster. Copyright: Nyul bigstockphoto

Gürtelrose ist das Rezidiv einer Infektion mit dem VZV-Virus. Was in der ersten Runde Windpocken verursachte, sorgt in den nächsten Auseinandersetzungen mit dem Immunsystem für die typischen Hauterscheinungen des Herpes zoster. Was die Viren mit den Nervenzellen anrichten, ist nicht in allen Fällen harmlos – Gürtelrose kann zu schweren, irreversiblen Nervenschäden führen oder in seltenen Fällen sogar tödlich verlaufen.

Schon Windpocken sind nicht immer harmlos

Von wegen harmlose Kinderkrankheit – bereits Windpocken können Komplikationen nach sich ziehen, insbesondere wenn sie außerhalb des Kindesalters auftreten. Vor allem Säuglinge und Erwachsene sowie Schwangere können an Entzündungen der Lunge (Varizellen-Pneumonie), Hirnhäute (Varizellen-Meningitis) oder des Gehirns (Varizellen-Enzephalitis) selbst leiden.

Gefährlich ist Gürtelrose durch Nervenschäden

In der zweiten Runde VZV gegen Immunabwehr können ähnliche Komplikationen auftreten. Die Viren verstecken sich in Nervenzellen und veranlassen einige davon in regelmäßigen Abständen zu vermehrter Virenproduktion. Das ist eine Art Testlauf – ist das Immunsystem in Ordnung, macht es kurzen Prozess mit den unerwünschten Plagegeistern. Sobald es aber anderweitig beschäftigt oder allgemein geschwächt ist, haben die neuen Viren die Chance, andere Nervenzellen zu befallen und auch diese umzuprogrammieren. Das Ergebnis ist eine Virenflut binnen kürzester Zeit.

Der Haken an der Sache: Die Nervenzellen überleben diese Umprogrammierung nicht. Sie stecken alles in die Produktion neuer Viruspartikel und sterben dann ab. Dann sorgen benachbarte Zellen und Zellen des Immunsystems für das Abräumen der toten Zellen. Das Ergebnis sind Entzündungen – die ausgerechnet bei Nervenzellen äußerst schmerzhaft ausfallen können und sich weiter ausbreiten. Gefährlich wird die Gürtelrose vor allem durch diese Nervenschäden.

Gefahr von Sekundärinfektionen

Im harmlosesten Fall betreffen diese Schäden die Hautoberfläche, die sich pustelig verändert, rötet und kleine flüssigkeitsgefüllte Bläschen bildet. Sie jucken ungemein – und verleiten zum Kratzen. Das ist eine ausgesprochen schlechte Idee, denn damit gelangen Bakterien in die Wunde. Dort finden sie optimale Wachstumsbedingungen und breiten sich weiter aus. Bei einer solchen Sekundärinfektion stirbt das Gewebe ab, sodass nach dem Abheilen Narben und Pigmentstörungen verbleiben (Zoster gangraenosus).

Schädigung von Sinnesorganen

Unangenehm wirkt sich die Gürtelrose vor allem im Gesichtsbereich aus, denn hier liegen viele Sinnesorgane, die reichlich Nervenzellen und damit Virenfutter enthalten.

Meistens beginnt das mit einem Befall des Nervens, der für die mimische Muskulatur zuständig ist. Ist der Nervus facialis geschädigt, führt das zu einer Lähmung der Gesichtsmuskulatur (Facialis-Parese). Ebenso kann der Geschmackssinn verloren gehen.

Ein weiterer wichtiger Nerv im Gesichtsbereich ist der Nervus trigeminus – viele Patienten bekannt durch die Trigeminus-Neuralgie. Ein Befall mit VZV kann eine solche extrem schmerzhafte Nervenschädigung auslösen. Über Verzweigungen des Trigeminus gelangen die Viren über den Nervus cochlearis ins Ohr und über den Nervus vestibularis ins Gleichgewichtsorgan. Die Folgen sind Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit und Störungen des Gleichgewichtssinnes. Diese Form der Gürtelrose bezeichnet man als Zoster oticus.

Auch das Auge ist vor den Viren nicht gefeit – hier dient der Sehnerv (Nervus opticus) als Eintrittsstelle. Beim Zoster ophthalmicus führen Vernarbungen der Hornhaut (Cornea) zu Sehverlust bis hin zur Erblindung.

Entzündungen der Nerven (PZN)

Die postherpetische Neuralgie oder Post-Zoster-Neuralgie betrifft vor allem ältere Patienten. Die Entzündungen der Nerven sind extrem schmerzhaft und können lebenslang fortbestehen. Die Schmerzen treten nur bei Berührung, als kurze und heftige Schmerzattacken oder als brennender Dauerschmerz auf. Eine Post-Zoster-Neuralgie beeinträchtigt die Lebensqualität eines Patienten so sehr, dass eine erhöhte Selbstmordneigung besteht.

Besonders gefährlich wird die Gürtelrose im Zentralen Nervensystem

Nicht immer sind nur periphere Nerven betroffen – die Viren machen auch vor dem Zentralen Nervensystem nicht Halt. Sie befallen auch das Gehirn im Rahmen einer Zoster-Enzephalitis. Entzünden sich Rückenmarkshäute oder Hirnhäute, spricht man von einer Zoster-Myelitis beziehungsweise Zoster-Meningitis. Im ZNS ist die Gürtelrose besonders gefährlich, denn hier sind die Auswirkungen schnell tödlich.

Zoster generalisatus: Gürtelrose im gesamten Nervensystem

Diese Variante ist selten und setzt einen fast vollständigen Verlust der Immunabwehr voraus. Daher tritt er praktisch nur bei verschiedenen Formen von Blutkrebs (Leukämien und Lymphomen), AIDS nach HIV-Infektion oder infolge der Einnahme immunsupprimierender Medikamente nach Organtransplantation auf. Der Zoster generalisatus ist unmittelbar lebensbedrohlich und muss umgehend intensivmedizinisch behandelt werden.

Bevor es gefährlich wird: Was kann man gegen Gürtelrose tun?

Den besten Schutz vor Gürtelrose bieten Impfungen. Bereits im Kindesalter schützt die vom Robert-Koch-Institut (RKI) und seiner Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene VZV-Impfung vor der Ansiedlung der Viren.

In fortgeschrittem Alter wird inzwischen von der STIKO die Impfung mit einem relativ neuen Totimpfstoff gegen Gürtelrose empfohlen. Im Gegensatz zum bereits vorher zugelassenen Lebendimpfstoff ist der Schutz wesentlich besser und hält auch länger an. Die Gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die zweimalige Immunisierung ab dem 60. Lebensjahr, bei Risikopatienten mit schwachem Immunsystem bereits ab dem 50. Lebensjahr.

Rechtzeitig behandeln

Liegt kein ausreichender Impfschutz vor und hat einen Patienten die Gürtelrose erwischt, steht die Verkürzung der Krankheitsphase durch eine antivirale Therapie im Vordergrund. Je schneller die Bläschen auf der Haut abheilen, desto geringer ist die Gefahr einer Sekundärinfektion. Mit einer Bekämpfung der Viren verhindert man deren weitere Ausbreitung und Eindringen ins Zentrale Nervensystem. So lassen sich Komplikationen an den Sinnesorganen und eine postherpetische Neuralgie am sichersten verhindern.

Nicht minder wichtig ist bei Schmerzen die analgetische Behandlung. Vor allem bei den Auswirkungen einer postherpetischen Neuralgie ist oftmals sogar ein psychiatrischer Beistand notwendig, um die psychischen Folgen der heftigen und dauerhaften Schmerzen in Grenzen zu halten.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

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