Wirksame Herpes-simplex-Behandlung

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Die Behandlung bei primärer und rezidiver Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus

Mit dem Herpes-Simplex-Virus (HSV) infizierte Personen wünschen sich aufgrund der belastenden Symptome eine optimale Herpes-simplex-Behandlung. Nicht in jedem Fall ist diese notwendig.

In welchen Fällen erfolgt eine Herpes-simplex-Therapie?

Die Herpes-simplex-Behandlung bei Infektionen mit dem HSV-1 und HSV-2 erfolgt durch die Ärzte ausschließlich bei klinisch sichtbaren Erkrankungen. Subklinische (leicht verlaufende) sowie vorhandene, aber noch nicht in Erscheinung tretende (latente) Infektionen durch die Erreger des Herpes simplex behandeln die Ärzte laut Therapie-Standard nicht.

Herpes-Simplex Therapie

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Das Ziel der Herpes-simplex-Behandlung bei primärer und rezidivierender Infektion

Herpes-Simplex

Ärzte therapieren die primäre Infektion mit einem der Herpes-simplex-Erreger unabhängig von dessen Typ mit dem Ziel

  • der Abkürzung der Schmerzdauer,
  • der Verhinderung systemischer Komplikationen,
  • die Virusreplikation zu hemmen.

Die Therapie rezidivierender Herpes-simplex-Infektionen beabsichtigt, die Entzündungs-Symptomatik sowie die Virus-Ausscheidung abzukürzen und ein rasches Abheilen voranzutreiben.

 

Die Therapie der Gingivo-Stomatitis herpetica als Erst-Enfektion mit dem Herpes-simplex-Virus

Die in der Regel bei Kindern erfolgte Erst-Infektion mit einem Herpes-simplex-Virus bewirkt eine Gingivo-Stomatitis herpetica (Mundfäule). Diese heilt bei immun-kompetenten Kindern innerhalb von sieben Tagen ohne gesundheitliche Folgen aus. Dennoch erschwert sie die Flüssigkeits- und Nahrungs-Aufnahme erheblich. Lokal-anästhetisch wirkende Mundlösungen und -Gele wie beispielsweise Xylocain® Viscös 2 % Lösung oder Dynexan® Mundgel lindern die Symptome.

Verläuft die synonym mit aphthöse Stomatitis bezeichnete Erkrankung schwer, verabreicht der Pädiater dem erkrankten Kind intravenös das Virostatikum Aciclovir in einer Dosis von dreimal täglich 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Weitere mögliche Therapie-Maßnahmen bestehen in der Gabe von Aciclovir-Suspension zum Trinken, Antipyretika (fiebersenkende Mittel) und Schmerzmitteln.

Tritt die Primär-Infektion mit einem Herpes-simplex-Erreger im Erwachsenen-Alter auf, verschreibt der Arzt Aciclovir in Tablettenform zur oralen Einnahme. Alternativ verabreicht er das Virostatikum intravenös.

 

Der rezidivierende Lippenherpes und seine Behandlung

Jede Herpes-Episode zeigt sich selbst-imitierend. Die Betroffenen leiden unter den Symptomen. Sie suchen nach einer wirksamen und sicheren Therapie. In der Regel geschieht die Behandlung bei einem rezidivierenden Herpes labialis in Selbstmedikation. Eine Symptom-Linderung sowie einen beschleunigten Heilungsverlauf erreicht der Betroffene durch frühzeitiges Handeln. Mit der Therapie beginnt er folglich bei den ersten Anzeichen eines Rezidivs.

Die bedeutendsten Substanzen im Rahmen einer Selbstmedikation stellen die Nukleosid-Analoga

dar. Die Topika lindern die Symptome und verkürzen den Verlauf der Krankheit merklich. Penciclovir beschleunigt zudem die Krustenbildung.

Nukleosid-Analoga besitzen den Vorteil, dass sie ihre Wirkung selbst dann noch erzielen, wenn der Virus sich bereits in der Zelle befindet. Denselben Effekt hat das verschreibungspflichtige Pyrophosphat-Analogon Foscarnet-Natrium. Die Wirkstoffe, welche die virale DNA anzugreifen in der Lage sind, eignen sich zur Behandlung der frühen Phase der Erkrankung sowie der späten Bläschenphase des Herpes labialis.

 

Rezeptfrei erhalten die Patienten ebenfalls die Alternativen zu den Nukleosid-Analoga in Form von:

  • Melissenextrakt
    Ein Eindringen des Herpesvirus in die Zelle verhindert die Melisse durch eine reversible Blockade bedeutender Zellrezeptoren.
  • Zinksulfat,
    Zinksulfat ist doppelt wirksam. Es verhindert wie die Melisse das Eindringen des Virus in die Zelle und trocknet gleichzeitig die Bläschen aus, wodurch es die Wundheilung vorantreibt.
  • Pflaster auf Hydrokolloid-Basis
    Das Herpespflaster ist ein noch relativ neues Medizinprodukt auf dem Markt. Der Patient klebt das beinahe unsichtbare und wirkstoff-freie Pflaster auf die befallene Hautpartie. Es sorgt insbesondere in den späten Phasen der Erkrankung durch Feuchthalten des Gebietes für gute Heilungs-Bedingungen. Eine Einflussnahme auf die Virus-Vermehrung ist nicht bekannt. Der Patient erfährt eine Schmerzlinderung durch die Abdeckung freier Nerven-Endigungen.
  • der aliphatische Alkohol Docosanol.
    Der chemisch definierte Wirkstoff hemmt den Eintritt des Virus in die Wirtszelle durch Veränderung ihrer Membran. Demzufolge wirkt das Arzneimittel nur in der Prodromal-Erythemphase (frühe Phase) des Herpes orolabialis. Von Docosanol profitieren daher nur Patienten, die auf eine Behandlung des Herpes simplex mit Nukleosid-Analoga nicht ansprechen. Alternativ verschreibt der Arzt den Betroffenen das verschreibungspflichtige Foscarnet-Natrium.

 

Die Behandlung des rezidivierenden Lippenherpes bei schweren Krankheits-Verläufen

Schwere, sich durch multi-lokuläre gruppierte Bläschen oder sehr starker Schwellung zeigende, Krankheits-Verläufe, behandelt der Mediziner mit systemischen Virostatika. Zu ihnen zählen Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir und Foscarnet-Natrium.

Zwingend ist die systemische Behandlung bei Patienten, die unter dem Ekzema herpeticatum leiden. Dabei handelt es sich um eine flächenhafte, durch Herpes-simplex-Viren verursachte, Infektion der Haut. Neben einer hoch dosierten intravenösen Gabe von Aciclovir erfolgt die Desinfektion des erkrankten Hautareals.

 

Die antivirale Therapie des primären Herpes genitalis

Die Therapie des primären Herpes genitalis erfolgt systemisch antiviral mit:

  • Valaciclovir 500 Milligramm
    1-0-1 peroral,
  • Famciclovir 250 Milligramm
    1-1-1 peroral,
  • Aciclovir 200 Milligramm
    1-1-1-1-1 peroral (durch den Mund),
  • Aciclovir 400 Milligramm
    1-1-1 peroral (p. o.).

Für eine erfolgreiche Herpes-simplex-Behandlung geschieht die Gabe eines der aufgeführten Virostatika sofort nach klinischer Diagnose über einen Zeitraum von fünf Tagen.

Die systemische antivirale Therapie wirkt sich nicht auf die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs aus. Sie vermag es jedoch, die Abheilung der Läsionen zu beschleunigen und die Symptome zu lindern. Schwere Verläufe der primären Herpes-simplex-Erkrankung im Genitalbereich behandelt der Arzt durch intravenöse Gabe der Virostatika.

 

Der genitale Herpes simplex und seine Behandlung bei Rezidiven

Tritt ein Rezidiv eines genitalen Herpes-simplex-Infektes auf, verläuft dieser in der Regel kürzer und milder als die durch den HS-Virus verursachte primäre Erkrankung.

Die Krankheits-Schübe heilen gewöhnlich spontan innerhalb von kurzer Zeit ab. Eine antivirale Therapie nutzt lediglich, wenn sie in einem frühen Stadium beginnt. Dies bestätigte eine große kontrollierte Studie, bei der 212 Probanden innerhalb von 2 Tagen nach Auftreten der ersten Krankheits-Erscheinungen entweder fünfmal täglich 200 Milligramm Aciclovir erhielten oder genauso oft ein Placebo. 165 weitere Versuchs-Personen therapierten sich selbst mit Aciclovir oder Placebo, sobald ein Rezidiv auftrat.

Die Studie brachte hervor, dass sich der Verlauf der Krankheit in Bezug auf die Virus-Ausscheidung und die Ausheilung der Läsionen um einen bis zu eineinhalb Tagen verkürzte. Das Resultat der Selbstbehandlung erwies sich als besser. Dabei handelte es sich aber nur um einige Stunden. Das Fazit besagt, dass eine Aciclovir-Behandlung ad hoc bei Rezidiven des genitalen Herpes simplex kaum einen Nutzen bringt.

Eine weitere groß angelegte Doppelblindstudie zum Zweck der Erzielung günstigerer Ergebnisse bei häufigen Rezidiven des genitalen Herpes-Infekts versorgte 950 Patienten über ein Jahr hinweg mit zweimal täglich 400 Milligramm Aciclovir per os (Applikation des Medikaments durch den Mund über den Verdauungsweg = orale Gabe) oder alternativ mit Placebo. 44 Prozent der Aciclovir-Gruppe blieben ohne Rezidiv, wohingegen in der Placebo-Gruppe 98 Prozent wiederkehrend erkrankten. Unter Aciclovir betrug die mittlere Anzahl der Rezidive 1,8 pro Jahr, unter Placebo lautete sie 11,4.

 

Eine weitere ein Jahr dauernde Studie verglich drei Modalitäten der Therapie:

  • Kombination einer Aciclovir-Prophylaxe und der Behandlung bei einem Rezidiv,
  • aktive Rezidiv-Therapie in Kombination mit einer Placebo-Prophylaxe
  • Placebo-Behandlung bei Rezidiv kombiniert mit einer Placebo-Prophylaxe.

Die Wissenschaftler erforschten die mittlere Anzahl der Krankheitstage. Diese belief sich in der ersten Gruppe auf 0,32 Tage pro Monat. Die Zweite war im Schnitt 4,18 Tage krank und die Dritte 4,72 Tage pro Monat.

Bei neueren Studien zur Prophylaxe dosierten die Mediziner das Aciclovir mit zweimal 400 Milligramm. Möglich ist auch eine einmalige tägliche Dosis. Der Arzt beginnt die Therapie bestenfalls mit der Standard-Dosis und reduziert sie, sobald der Betroffene sich rezidivfrei zeigt.

 

Die Herpes-simplex-Behandlung bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem

Mit dem Herpes-simplex-Virus infizierte immun-supprimierte Kranke rechnen mit einem schwereren, länger dauernden und mit stärkeren Schmerzen einhergehenden Verlauf der Erkrankung. Bei Patienten mit unterschiedlichen Formen der Immun-Suppression infolge von AIDS, Organ-Transplantationen, hämatologischen und lympho-proliferativen Malignomen während der Chemo-Therapie zeigte eine Behandlung der Herpes-simplex-Infektion mit der Salbe „Aciclovir“ keine ausreichende Wirkung auf die Abheilung der Läsionen. Effektivität bewies sie in Bezug auf die Virus-Ausscheidung und auf die Symptome.

Eine systemische Applikation mit fünfmal 400 Milligramm per os über einen Zeitraum von zehn Tagen oder alternativ dreimal täglich 250 mg/m2 intravenös an sieben Tagen verabreicht, zeigte eine hochsignifikante Wirkung von Aciclovir. Es vermochte, die Schmerzen zu lindern. Zudem zeigte eine positive Auswirkung bei der Eliminierung der Viren sowie bei der Läsions-Abheilung. Die Verantwortlichen der Studie empfehlen daher eine systemische Applikation bei immun-supprimierten Patienten.

 

Die Herpes-simplex-Prophylaxe bei immun-supprimierten Patienten

Bei einigen Formen der Immun-Suppression leiden die Patienten regelmäßig an einer Reaktivierung der Herpes-simplex-Viren. Mediziner beobachteten bei 80 Prozent der HSV-seropositiven und immun-supprimierten Kranken nach einer Knochenmark-Transplantation Herpes-Läsionen.

Zahlreiche kontrollierte Studien beschäftigten sich daher mit der Herpes-Prophylaxe für die Dauer der vulnerablen Phase. Die Probanden erhielten Dosen zwischen dreimal täglich 200 Milligramm und viermal täglich 800 Milligramm Aciclovir oral oder intravenös. Als Ergebnis aller Studien zeigte sich eine beinahe vollständige Suppression der Herpes-simplex-Infekte während des Zeitraums der Verabreichung von Aciclovir.

 

Herpes-simplex-Behandlung bei Schwangeren und Neugeborenen

Die Herpes-simplex-Viren machen auch vor Schwangeren nicht halt. Ab der 36. Schwangerschaftswoche erfolgt die Therapie zwingend mit antiviralen Medikamenten. Kurz vor der Geburt auftretende Herpes-simplex-Symptome veranlassen den Arzt zur Durchführung eines Kaiserschnitts.

Bei Neugeborenen, die sich mit dem HSV-2 ansteckten, besteht die Gefahr einer HSV-Enzephalitis. Wahrscheinlich sind ebenso disseminierte Infektionen wie Hepatitis, Gerinnungs-Störungen oder Pneumonitis. Diese Erkrankungen treten jeweils mit oder ohne eine Enzephalitis (Gehirn-Entzündung) auf. Die Mortalitäts-Rate senken die Ärzte durch die intravenöse Gabe von Vidarabin. Möglich ist ebenso die Therapie mit Aciclovir i. v. Im Vergleich der Wirkung ergeben sich keine signifikanten Unterschiede.

 

Hoffnung für alle mit dem HSV infizierten Personen

Ein bisher als Antidepressivum verwendetes Medikament schützt Tiere gegen die Reaktivierung der Herpes-simplex-Viren. Es blockiert ein dafür von den Viren benötigtes Enzym, berichtet das Fachblatt „Science Translational Medicine“.

Laut diesem vermag das Antidepressivum, den Erreger nicht zu eliminieren, in Kombination mit antiviralen Medikamenten jedoch die Symptome zu lindern. Ebenso verringert sich das Risiko der Ansteckung. Thomas Kristie vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases vermutet in dem Arzneimittel mit epigenetischer Wirkung einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung von mit Herpes-simplex-Erregern infizierten Personen.

 

Die Behandlung der Herpes-simplex-Infektionen zusammengefasst

Gegen orolabiale Läsionen bei immun-kompetenten Personen steht bisher keine wirksame Behandlungs-Methode zur Verfügung. Bei primären genitalen Herpes-simplex-Infektionen erzielten die Mediziner mit einer systemischen Verabreichung von Aciclovir zufriedenstellende Erfolge. Effektiver als die lokale Therapie mit Aciclovir ist die orale oder parenterale Behandlung mit dem Wirkstoff. Genitale Rezidive verkürzt Aciclovir. Einen größeren Nutzen bringt eine Dauer-Prophylaxe. Generalisierte Herpes-Infektionen und Rezidive nicht immun-kompetenter Personen behandeln die Ärzte systemisch mit Aciclovir. Hilft die Therapie nicht, versprechen Ersatz-Therapien mit beispielsweise Foscarnet einen besseren Erfolg.

 

 

veröffentlicht von: Anna Nilsson

Infos, Quellen, weiterführendes Wissen:

http://www.wissenschaft-aktuell.de/

http://www.p-e-g.org/archiv_tmp/herpes_management_2003/gross.htm

http://www.urologielehrbuch.de/herpes_genitalis.html

http://www.infomed.ch/pk_template.php?pkid=551#

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== Fachautor dieses Artikels ==

Anna Nilsson, Medizinautorin

Anna Nilsson ist als Medizinautorin seit 2005 Autorin für die Inhalte in unserem Magazin verantwortlich. Ihre Artikel entsprechen dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur und medizinischen Leitlinien.


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